Der Weg einer Geiger Drechselbank in unsere Werkstatt – Teil 1

Die Geiger Drechselbänke haben unter Drechseln einen legendären Ruf für Ihre Langlebigkeit, Laufruhe und Stabilität. Unsere immer größer werdenden Werkstücke aus Holz haben bei TwinWood die Stratos XL Drechselbank immer wieder an die Grenzen gebracht. Die Reduzierung der Drehzahl und Spanbreite haben bisher große Objekte entstehen lassen, wie eindrucksvoll in diesem Beitrag gezeigt. Große Werkstücke erfordern niedrige Drehzahlen. Diesen lassen sich prinzipiell mit einem Frequenzumrichter erreichen, jedoch fehlt das Drehmoment für die Bearbeitung. Ein Getriebe verringert ebenfalls die Drehzahl, erhöht jedoch um den Übersetzungsfaktor das Drehmoment. Diese Charakteristika ist ideal für große Objekte.

Drechselbänke vom Fabrikat Geiger

Diese Maschinen wurden früher als Modelldrechselbänke für Gießereien gebaut, auf denen Guss-Urmodelle entstanden sind. Die Geiger Drechselbank des Typs DHZ ist für unsere Anwendung ideal, haben eine Spitzenhöhe von 400mm, einen Obersupport für zylindrische Objekte sowie einen Reitstock mit Bohrpinole. Unsere Maschinen haben wir gebraucht gekauft und anschließend generalüberholt; ein langer, aber lohnenswerter Weg.

Abbau der Maschine am alten Standort

Die Maschine musste am alten Standort abgebaut werden. Da ein Hallenkran zur Verfügung stand, war das Gewicht und Verladen kein Problem, die größere Herausforderung lag eher im Trennen der Maschine vom Fundament. Drechselmaschinen für solch große Durchmesser werden im Boden mit einem massiven Fundament verankert, wobei die Sockel fest mit dem Beton verbunden sind. Die Sockel zur Abstützung des Bettes ließen sich recht gut trennen, jedoch gestaltete sich das Entfernen des Spindelstocks etwas schwieriger.

Restauration der alten Dame

Beim Abbau konnten wir die Maschine erstmals begutachten. Der Eindruck war sehr positiv, die bisherigen Betriebsjahre haben an der Maschine Spuren hinterlassen, das darf auch nach 60 Betriebsjahren so sein. Der Staub auf der Maschine verrät jedoch auch, dass in den letzten Jahren nicht viel an der Maschine gearbeitet wurde. Bevor diese Maschine bei uns in der Werkstatt die ersten Späne produziert, erfolgt eine vollständige Restauration. Diese beinhaltet eine fast vollständige Demontage, ein neuer Farbanstrich, Kürzen des Maschinenbetts und Umrüsten der Maschinenschnittstelle von einem M60-Spindelgewinde auf Kurzkegel 6. Die Elektronik der Maschine, ein 3kW Siemens-Schuckert Motor wird gegen einen Neuen mit Ansteuerung per Frequenzumrichter ausgetauscht.

Ein neues Kleid tut ganz gut

Für ein modernes und frisches Aussehen der Maschinen haben wir diese komplett neu lackiert. Der Lack am Spindelstock war für die Jahre gut erhalten, das Maschinenbett und die Sockel hatten jedoch deutliche Spuren der vergangenen Jahre.

Für die Lackierung wurde die bisherige Lackschicht sowie die darunter liegende Spachtelmasse größtenteils entfernt. Der Aufbau des Lacks erfolgte mit einer 2K Epoxid-Grundierung und einem 2K-PU-Lack in halbglänzend. Der untere Bereich ist in RAL 5002 Ultramarineblau gestrichen, währenddessen der obere Bereich in RAL 7035 Lichtgrau gestaltet ist. Dadurch wirkt die Maschine direkt viel heller und deutlich zeitgemäßer.

Einkürzen des Maschinenbetts

Das Maschinenbett war mit seinen ursprünglichen 4 Metern deutlich zu lang für den neunen Aufstellungsort und würde vermutlich auch nie benötigt werden. Daher haben wir dieses auf eine Länge von 2,5 Metern eingekürzt. So können auf der Maschine immer noch große Bauteile gefertigt werden und mit dem Schiebebett wäre auch eine Erweiterung der Spitzenweite möglich. Frontseitig wurde eine entsprechende Platte angebracht.

Inspektion der Getriebe

Bei der Demontage der Maschine wurden auch die Getriebe inspiziert. Das Hauptgetriebe läuft in einem Öl-Sumpf und ist in einem super Zustand. Es sind keine Verschleißspuren augenscheinlich zu erkennen. Die Getriebe für den Vorschub am Obersupport weisen einen deutlichen Verschleiß auf. Über die Betriebsdauer war nicht immer eine Schmierung aufgrund defekter Dichtelemente möglich. Es wurden alle Lager sowie Dichtungen an den Vorschubgetrieben ausgetauscht.

Fertigung der notwendigen neuen Bauteile

Das M60 Spindelgewinde ermöglicht die Aufnahme von Planscheiben und Futtern aller Art. Problematisch ist das Abschrauben der Aufnahmen. Für eine leichte Demontage haben wir uns einen Adapter von M60 Spindelgewinde auf Kurzkegel 6 Aufnahme erstellt. Diese sind im Bereich der Metallverarbeitung weit verbreitet.

Die Handauflage der Maschine hatte leider keine Klemmung mehr, weshalb wir diese neu herstellen mussten. Die Konstruktion ist auf Basis der alten Handauflage erstellt; Bilder anderen Maschinen haben bei der Rekonstruktion geholfen. Dabei wurde die Bohrung zur Aufnahme der Handauflage von unüblichen 32,5 mm auf 40 mm aufgebohrt. Auch wurde eine neue Schraube für die Befestigung der Werkzeuge am Obersupport hergestellt, da die bisherige Aufnahme ein unübliches M14 Gewinde hatte. Der neue Bolzen ist als Dehnschraube ausgelegt und hat ein M20 Gewinde.

Fundament der Maschine

Für eine sichere Aufstellung der Maschine ist ein Fundament erforderlich, zumindest dann, wenn auch große Werkstücke bearbeitet werden sollen. Für die Bearbeitung kleinerer Werkstücke, ohne eine große Unwucht kann die Aufstellung mit Balken zur Erhöhung der Maschine ausreichend sein. Das Eigengewicht liegt bei 1500 kg und damit deutlich über dem Eigengewicht der Stratos XL Drechselbank mit 400 kg, welche nicht fest mit dem Boden verankert ist und somit auch kein eigenes Fundament hat.

Fazit

Bisher haben wir viel Zeit und Energie in dieses Projekt gesteckt und freuen uns auf die ersten „richtigen“ Werkstücke. In den nächsten Wochen erfolgt noch das Gießen des Fundaments, sowie der Aufbau eines Säulenschwenkkrans.