Das Pitbull-Aushöhlsystem – eine Geschichte, die weitergeht

Manchmal begegnet einem beim Drechseln ein Werkzeug, bei dem man sofort merkt: Da steckt richtig viel Erfahrung dahinter. Genau so ging es uns mit dem Pitbull-Aushöhlsystem von Ändu Müller von Ändu Woodwork in der Schweiz. Ändu entwickelt dieses Werkzeug mittlerweile seit rund 20 Jahren. In dieser Zeit sind insgesamt vier Generationen entstanden. Was einmal als vergleichsweise einfache Eigenkonstruktion begonnen hat, wurde über die Jahre immer weiter verändert, angepasst und verbessert. Nicht am Schreibtisch, sondern vor allem dort, wo sich ein Werkzeug beweisen muss: an der Drechselbank.

Nun steht für das Pitbull-System der nächste Schritt an: Wir von TwinWood werden die Produktion von Ändu übernehmen und das Werkzeug zukünftig weiterführen. Für uns ist das etwas ganz Besonderes. Denn wir übernehmen hier nicht einfach irgendein Werkzeug. Hinter dem Pitbull stecken rund zwei Jahrzehnte Entwicklung, unzählige Stunden an der Drechselbank und vor allem sehr viel praktische Erfahrung.

Unser Besuch bei Ändu – verstehen, was hinter dem Pitbull steckt

Bevor wir diesen Schritt gehen, war es uns wichtig, das Werkzeug und seine Geschichte wirklich zu verstehen. Deshalb waren wir bei Ändu in der Schweiz, haben gemeinsam gedrechselt, ausprobiert, diskutiert und uns intensiv über die Entstehung und Entwicklung des Pitbull-Systems ausgetauscht. Dabei ging es uns nicht nur darum, wie das Werkzeug funktioniert. Uns hat vor allem interessiert, warum es so funktioniert.

Welche Kante macht eigentlich was?
Wie entsteht der Span?
Wie beeinflusst der Spandickenbegrenzer das Schneidverhalten?
Warum läuft das Werkzeug bei bestimmten Bewegungen so ruhig?
Und welche kleinen Veränderungen an Schneide und Geometrie machen am Ende den entscheidenden Unterschied?

Genau bei diesen Gesprächen merkt man, wie viel Erfahrung in einem solchen Werkzeug steckt.

Ändu hat uns sehr offen an seinem Wissen teilhaben lassen und uns gezeigt, wie sich der Pitbull über insgesamt vier Generationen entwickelt hat. Viele Details sind nicht einfach irgendwann am Computer konstruiert worden, sondern durch jahrelanges Arbeiten, Ausprobieren und Verbessern entstanden. Dieses Wissen möchten wir erhalten und mit in die Zukunft nehmen.

Wir sind selbst Drechsler – und kennen XXL

Für uns ist dabei ein Punkt besonders wichtig: Wir sind nicht nur Maschinenbauingenieure – wir sind selbst leidenschaftliche Drechsler.

Wir drechseln seit 2017 und haben seitdem unheimlich viele Stunden an unseren Drechselbänken verbracht. In den vergangenen Jahren haben wir uns zunehmend mit großen und sehr großen Werkstücken beschäftigt. XXL-Drechseln ist für uns deshalb keine Theorie. Wir kennen die Herausforderungen, die entstehen, wenn die Werkstücke größer, schwerer und tiefer werden. Gerade beim Aushöhlen merkt man schnell, wie wichtig ein kontrollierbares Werkzeug ist.

Je weiter man in ein Gefäß hineinarbeitet, desto größer werden die Hebelkräfte. Gleichzeitig möchte man ordentlich Material abtragen, ohne ständig Angst vor einem Einhaken der Schneide haben zu müssen. Bei großen Projekten zählt am Ende nicht nur, wie viel Material ein Werkzeug abtragen kann, sondern vor allem, wie kontrolliert dieser Materialabtrag erfolgt.

Diese Erfahrung bringen wir selbst mit. Wir übernehmen also nicht nur Ändus jahrzehntelanges Know-how rund um das Pitbull-System. Wir bringen auch unsere eigene Erfahrung aus vielen Jahren Drechselpraxis und insbesondere aus dem XXL-Drechseln mit ein.

Und genau das ist für uns eine der großen Stärken für die Zukunft des Pitbulls.

Das Pitbull-System in der Praxis

Bei unserem Besuch in der Schweiz konnten wir den Pitbull natürlich auch selbst intensiv einsetzen. Und genau da hat uns das System überzeugt. Wir haben selbst schon mit unterschiedlichen Lösungen zum Aushöhlen gearbeitet und auch eigene Werkzeuge gebaut. Umso spannender war es für uns, direkt zu erleben, wie sich die über viele Jahre entwickelte Geometrie des Pitbulls in der Praxis verhält.

Gerade der kontrollierte Spanabtrag hat uns beeindruckt. Das Zusammenspiel aus Schneide, Schneidenhalter und Spandickenbegrenzer ermöglicht es, gezielt Einfluss darauf zu nehmen, wie aggressiv oder fein das Werkzeug arbeitet. Für uns war deshalb schnell klar, dass wir dieses Werkzeug gerne weiterführen möchten. Wir sind überzeugt, dass es für ein solches Aushöhlsystem einen großen Bedarf gibt. Denn der Pitbull ist nicht ausschließlich ein Werkzeug für riesige Maschinen und extreme XXL-Projekte.

Das System bietet eine große Bandbreite und genau diese möchten wir zukünftig noch stärker herausarbeiten.

Zwei Schneiden – viel Span oder feines Arbeiten

Zum Start möchten wir das Pitbull-System mit zwei unterschiedlichen Schneiden anbieten.

Die größere Schneide ist für den kräftigen Materialabtrag gedacht. Hier geht es darum, viel Span und ein hohes Spanvolumen zu erzeugen. Gerade bei großen Gefäßen und tiefen Aushöhlarbeiten macht es einfach Spaß, wenn ordentlich Material fliegt und man beim Arbeiten vorankommt.

Die kleinere Schneide bietet dagegen noch einmal andere Möglichkeiten. Mit ihr lassen sich kleinere Bereiche und Details gezielter bearbeiten. Gleichzeitig ermöglicht sie ein sehr feines und kontrolliertes Arbeiten.

Das bedeutet aber nicht, dass mit der kleinen Schneide nur kleine Späne möglich sind. Über die Einstellung des Spandickenbegrenzers lässt sich das Verhalten beeinflussen. Die Schneide kann entsprechend fein eingestellt werden, bei Bedarf aber ebenfalls ordentliche und große Späne produzieren.

Genau diese Flexibilität gefällt uns am System besonders gut. Es geht also nicht darum, eine Schneide für große und eine für kleine Drechselbänke anzubieten. Vielmehr möchten wir zwei unterschiedliche Charakteristiken zur Verfügung stellen: maximalen Materialabtrag und Spanvolumen auf der einen Seite sowie Kontrolle, Details und eine große Bandbreite bei der Spangröße auf der anderen.

So kann jeder das System passend zu seinem Werkstück und seiner eigenen Arbeitsweise einsetzen.

Maschinenbau trifft Drechselerfahrung

Dass wir beide Maschinenbauingenieure sind, spielt bei der Übernahme eine wichtige Rolle. Konstruktion, Fertigung, Werkstoffe und Produktionsprozesse sind unser Daily Business. Wir können uns deshalb nicht nur aus Sicht eines Drechslers mit dem Werkzeug beschäftigen, sondern auch sehr tief in die technischen Zusammenhänge einsteigen.

Für uns ist das die ideale Kombination.

Auf der einen Seite steht das Know-how von Ändu aus rund 20 Jahren Entwicklung und vier Generationen des Pitbull-Systems. Auf der anderen Seite stehen unsere eigene Drechselerfahrung, unsere Erfahrungen im XXL-Bereich und unser technischer Hintergrund als Maschinenbauingenieure. Damit können wir das Werkzeug selbst entwickeln, selbst testen und unmittelbar an der Drechselbank beurteilen. Und vor allem können wir zukünftig sehr nah an euch als Drechslerinnen und Drechsler heranrücken.

Wenn sich aus der Praxis neue Anforderungen ergeben, möchten wir diese verstehen. Wenn ihr mit dem Werkzeug Erfahrungen sammelt, möchten wir diese aufnehmen. Und wenn sich daraus sinnvolle technische Verbesserungen ergeben, haben wir durch unseren Maschinenbauhintergrund die Möglichkeiten, diese weiterzuentwickeln.

Wir möchten den Pitbull deshalb nicht einfach nur produzieren und verkaufen. Wir möchten ihn langfristig weiterentwickeln.

Wie geht es mit dem Pitbull bei TwinWood weiter?

Aktuell befinden wir uns mitten in den Vorbereitungen für die Übernahme der Produktion.

Wir beschäftigen uns mit der Fertigung der einzelnen Komponenten, sprechen mit möglichen Fertigungspartnern und arbeiten uns intensiv in die Details ein. Uns ist wichtig, dass die Qualität stimmt und wir das Werkzeug so aufbauen, dass wir es langfristig zuverlässig anbieten können.

Auch der endgültige Verkaufspreis steht deshalb aktuell noch nicht fest.

Was bereits feststeht, ist die grundsätzliche Ausrichtung: Wir möchten den aktuellen von Ändu entwickelten Pitbull mit seiner runden Schneide und der runden Aufnahme weiterführen und das System zunächst mit den zwei beschriebenen Schneiden anbieten. Und natürlich möchten wir unser Wissen rund um das Werkzeug weitergeben. Denn ein gutes Werkzeug macht besonders dann Spaß, wenn man versteht, wie man es richtig einsetzt. Deshalb möchten wir zukünftig nicht nur den Pitbull anbieten, sondern auch unsere Erfahrungen damit vermitteln und das Thema in unsere Drechselkurse integrieren.

Wir freuen uns riesig auf das, was kommt

Für uns ist die Übernahme des Pitbull-Systems deutlich mehr als die Aufnahme eines neuen Produktes in unser Sortiment. Wir bekommen die Möglichkeit, ein Werkzeug weiterzuführen, in dem rund 20 Jahre Erfahrung und Entwicklung stecken.

Gleichzeitig können wir unsere eigene Erfahrung aus fast zehn Jahren Drechseln, unsere Leidenschaft für große und außergewöhnliche Drechselobjekte und unser Know-how als Maschinenbauingenieure einbringen. Genau diese Kombination macht das Projekt für uns so spannend.

Ändus Erfahrung. Unsere eigene Erfahrung an der Drechselbank. Unser Maschinenbau-Know-how. Und zukünftig auch eure Erfahrungen mit dem Werkzeug.

Damit möchten wir den Pitbull nicht nur erhalten, sondern gemeinsam weiterentwickeln.

Wir freuen uns wahnsinnig auf diese Möglichkeit – und vor allem darauf, den Pitbull zukünftig bei TwinWood weiterleben zu lassen.

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